II. MTD-Forum 2011 - Podiumsdiskussion

II. MTD-Forum - Podiumsdiskussion:

die vollständige Aufzeichnung der Podiumsdiskussion finden Sie unter:

Vier mal so viele Hüft-OPs als im EU-Schnitt: Es fehlt an der Kommunikation!

In Österreich gibt es vier mal so viele Hüft-Implantationen wie im OECD-Schnitt. Das sei unnötig, sind sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion beim II. MTD-Forum am vergangenen Freitag in Wien einig. Einen gravierenden Mangel sieht man dabei in der unzureichenden Kommunikation zwischen den einzelnen Fachrichtungen im intramuralen Bereich, im Speziellen zwischen Ärzten, Pflegefachpersonal und MTD. So gibt es nicht nur zuviele unangebrachte Untersuchungen und OPs, auch die letzten Vorfälle in heimischen Spitälern seien immer aufgrund einer mangelnden Kommunikation der Behandelnden untereinander passiert, so Dr. Silvia Türk, zuständig für Qualitätssicherung und Patientensicherheit im Gesundheits-ministerium.

Dr. Silvia Türk: “Warum haben wir in Österreich viermal so viele Hüftimplantationen als im gesamten OECD-Bereich, warum aben wir viermal so viele MR-Untersuchungen? Warum haben wir dreieinhalbmal so viele CT-Untersuchungen? Von den Geräten, die wir überall stehen haben, red ich gar nicht [...]. Für mich als Patient: Ich würde mich schon wundern, wenn sie mir drei mal ein CT verordnen, wo ich es nicht brauche! Aber der Punkt ist: Wir müssen vorne an der Kette beginnen: Wie stelle ich meine Indikationen, welche Untersuchungen sind wirklich maßgeblich? Und: wir haben in Österreich eine Bedarfsplanung, aber keine Leistungsplanung!”

Zumindest fünf Mal werde ein Patient im Krankenhaus von unterschiedlichem Personal das gleiche gefragt, sagt Dr. Ursula Denison, Abteilung für Klinisches Risikomanagement und Patientensicherheit an der Med.-Uni Wien. Ein geregelter Austausch der Behandelnden untereinander würde hier täglich eine dreiviertel Stunde für die direkte Auseinandersetzung mit dem Patienten bringen. Eben diese Zeit müsse vom System bereitgestellt werden, so Mag. Gabriele Jaksch, Präsidentin von MTD-Austria. Wenn aber nur eine Quote von zu behandelnden Personen vorgegeben wird, bleibe keine Zeit für die nötige Kommunikation, durch die viele Dinge verhindert oder besser gemacht werden könnten.

Dr. Ursula Denison: “In meiner Abteilung haben wir die Kommunikation so umgesetzt, dass wir gemeinsame Morgenbesprechungen haben. Es ist wirklich Pflegepersonal und ärztliches Personal eine halbe Stunde zusammen und es wird berichtet, das heißt: wirkliche Qualität. Wir haben die Kommunikation auch umgestezt in Konsilien, wo wir mit anderen Fachabteilungen inkl. auch MTD zusammenarbeiten - aber das ist immer eine persönliche Initiative und es ist kein gelebter Standard.”

Für diese bessere Kommunikation untereinander müsse die Kompetenz der einzelnen Fachrichtungen besser wahrgenommen und akzeptiert werden, so Mag. Gabriele Jaksch. Schon die Zahl der freiberuflich Arbeitenden im MTD-Bereich beruht in Österreich auf einer reinen Schätzung, weil es statistisches Material nur für MTD im stationären Bereich gibt. Das wirke sich nicht nur auf die Bedarfsplanung an sich, sondern auch auf die Planung der Ausbildungsplätze hierzulande aus und verunsichere auch die Patienten: durch zuwenige Absolventen komme es zu sehr langen Wartezeiten auf eine Behandlung. Eine entsprechende Physiotherapie könne etwa eine Hüftimplantation noch lange hinauszögern, aber ohne die richtige Diagnose würde sich das Krankheitsbild so verschlechtern, dass operiert werden muss.

Dr. Silvia Türk: “Und bei den ganz schlimmen Fällen [...], es ist immer um die Kommunikation gegangen und nicht per se, dass jemand gravierende Fehler gemacht hat. Sie haben nicht gesprochen miteinander! Und das Scghlimme ist, da muss ich Fr. Dr. Denison Recht geben, es haben die Berufsgruppen nicht miteinander gesprochen. Und wenn ich diese Kommunikation fördere: das kostet mich nicht so viel, aber ich habe für die Qualität was erreicht.”

Gesprächspartner:
Dr. Ursula Denison, Abt. Klinisches Risikomanagement und Patientensicherheit, Med.-Uni Wien
Ursula Frohner, Präsidentin ÖGKV
Mag. Gabriele Jaksch, Präsidentin MTD-Austria
Dr. Silvia Türk, Qualitätssicherung und Patientensicherheit, BMG