5. Tiroler MTD-Tag - eine tolle Veranstaltung

MTD und die Onkologie

Die sieben gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD) veranstalteten heuer zum fünften Mal am Samstag, den 21. Oktober 2023, ein gemeinsames fachliches Event.

Die demographischen Entwicklungen sind uns allen bekannt, d.h. die österreichische Bevölkerung wird aufgrund von medizinischen Fortschritten, guten Lebensbedingungen usw. viel älter als noch vor 50 Jahren.  Die Thematik der ONKOLOGIE ist daher leider noch viel essenzieller geworden. Die Einleitung erfolgte durch Eröffnungsworte von Fr. Landesrätin MMag.a Dr.in Cornelia Hagele, Fr. Präsidentin Mag.a Gabriele Jaksch, MTD-Austria und MTD-Landesgruppenkoordinatorin Fr. Tanja Penz MSc., MEd.

Der interessante Eröffnungsvortrag wurde von Dr. Jakob Rudzki mit dem Titel „Moderne zielgerichtete Therapie in der Hämatologie und Onkologie“ gehalten. Die Hämatologie und Onkologie sind um sehr effiziente Therapiekonzepte bereichert worden, die mehr und mehr Patient:innen aus einer ausweglosen Situation in ein tiefes Ansprechen führen. Manche Therapiekonzepte wie die zellulären Formen sind noch effektiver als bekannte Chemotherapie-Konzepte.

Es folgte der fesselnde Vortrag „Herstellung von CAR-T-Zellen am Standort Innsbruck“ von Sofie Hanifle, BSc. (Biomedizinische Analytikerin). Sie berichtete u.a. von multiprofessionellen Behandlungsansätzen bzw. von einer Studie: Multizentrische, offene, einarmige Phase-I-Studie zur Bewertung der Sicherheit und Wirksamkeit einer Kombination aus CD19-gerichteten CAR-tg-T-Zellen und dem BKT-Inhibitor der zweiten Generation Zanubrutinib bei rezidivierender oder refraktärer PCNSL. Sie konnte diese komplexe Thematik für alle Berufsgruppen verständlich darstellen - der heutige Stand dazu ist, dass die Ausbeute an CAR-T-Zellen sehr gut ist.

„Radiologietechnolog:in in der Strahlentherapie/Radioonkologie - ein kurzer Überblick über unser Tätigkeitsfeld“ spannend aufgezeigt von Mag.a Alexandra Wegmayr, Leitende Radiologietechnologin. Exemplarisch mit tollen Bildern passend zur Thematik Computertomographie mit einem CT von Philips, einem BigBore-CT mit großer Gantryöffnung bzw. die dazugehörenden Fixationshilfen zur Lagerung und auch Kontrastmittelpumpen. Ihr Vortrag reichte bis hin zur Forschung, Brachytherapie, Schmerztherapie für degenerative Erkrankungen und vieles mehr. Wir konnten durch ihre bilduntermalte Präsentation spannende Einblicke in die verschiedensten Bereiche erlangen.

„Logopädische Therapie bei radiogenen Dysphagien“ präsentiert durch Tanja Penz, MSc, MEd, Logopädin. Zwischen 600 und 2.000-mal pro Tag schlucken wir meist unbewusst, auch in der Nacht schlucken wir ca. 8 Mal in der Stunde. Nach einleitenden physiologischen und anatomischen Grundkenntnissen zum Schluckakt konnte uns Tanja Penz die Dysphagie, sprich eine Störung des Schluckvorganges, im Bereich der Onkologie klar darstellen. Was macht eine Bestrahlung im HNO-Bereich mit Patient:innen? Durch die onkologische Therapie ist die Schluckfunktion oft gleich oder aber auch als Spätfolge (bis 10 Jahre danach) beeinträchtigt z.B. mit vermindertem Speichelfluss, Kieferklemme, Vernarbungen, Lymphödeme bis hin zu Fibrosen. Anhand eines Patient:innenbeispiels wurden dann die Therapieansätze der Logopäd:in erläutert.

Eine klar umrissene Darstellung zum Thema „“Komisches” Sehen richtig interpretiert“     wurde von FH-Prof.in Mag.a Ruth Resch, Orthoptistin dargestellt. Sehschärfen-Testung und Kontrast-Testung wird, um ein Beispiel zu erwähnen, gemeinsam durchgeführt. Viele Symptome werden von Patient:innen erwähnt, aber nicht ernst genommen. Über welche Beschwerden klagen Patient:innen aus der Onkologie und was kann ein:e Orthoptist:in dagegen machen? Welche Beschwerdebilder kommen vor? Z.B. trockene Augen bei der Chemotherapie, Diplopie, Scheuklappensehen und genannte Themen wurden anhand von Patient:innenbeispielen für die Zuhörer:innen anschaulich präsentiert. Die Vortragende konnte eindrucksvoll darstellen, ob und wie Übungen dazu sinnvoll und wesentlich sind.

„Die Macht der körperlichen Aktivität bei onkologischen Patient:innen“ spannend aufgezeigt durch Pascal Neuner, BSc., Physiotherapeut. Ein kurzer Abriss: „Was ist Krebs?“ Welche Barrieren der körperlichen Aktivität zeigen sich und welche Methoden der Physiotherapie (von Atemtherapie bis Zumba) gibt es? Welche allgemeinen bzw. spezifischen Symptome behandelt die Physiotherapie bei Patient:innen mit maligner Erkrankung bzw. welche Kontraindikationen zeigen sich und welche Ziele verfolgen die Therapeut:innen gemeinsam mit den Patient:innen? Ein weiterer wichtiger Begriff ist aufgegriffen worden, nämlich die Prähabilitation – sprich vor einer Intervention bereits mit den Patient:innen zu arbeiten.

Veronika Mauracher, MSc., Ergotherapeutin betitelte ihren Vortrag “Onkologie in Bewegung - tätig bleiben im Ausnahmezustand“. Auch sie betonte wie der Vorredner, dass sie sehr viele Studien im Zusammenhang mit Onkologie und Bewegung gefunden hat. Jährlich erkranken 10 Millionen Menschen an Krebs, eine der häufigsten Todesursachen laut WHO 2022. Zusammenspiel von Person, Handlung und Umfeld – sprich wenn die Betätigungsperformance ausgeglichen ist, führt zu einer hohen Lebensqualität. Bei einer Krebsdiagnose kommt es in allen genannten Bereichen relativ schnell zu Verschiebungen. Durch den z.B. anfänglichen Schockzustand nach der Erstdiagnose verändert sich der Alltag - Reaktionen sind ganz unterschiedlich – aber auf alle Fälle wird die Handlungsperformance der Patient:innen beeinträchtigt und die Vortragende stellt dar, wie ein:e Ergotherapeut:in in dieser Situation helfen kann.

Gibt es „Herausforderungen bei der Ernährung von onkologischen Patient:innen“ fragte sich Julia Lobenwein, BSc., Diaetologin. Wie wird bei onkologischen Patient:innen gescreent, welche Symptome können durch eine Diätolog:in bearbeitet werden? Kachexie und Ernährung ist ein relevantes Beschwerdebild, welches durch die Therapie der Diätolog:in behandelt wird. Ein Screening wird in Innsbruck durch die Pflege durchgeführt. Es folgt dann ein diätologisches Assessment. Ernährungsempfehlungen – natürlich immer individuell auf den/die Patient:in abgestimmt, sind z.B. manchmal Richtung gesteigerter Eiweißzunahme. Wichtig ist es den Patient:innen evidenzbasierte Informationen zur Verfügung stellen und diese natürlich auch im Gespräch, in der Therapie gut zu erläutern und in den Lebensalltag des Menschen einzubauen.

Der abschließende Vortrag „Interdisziplinärer Nutzen von elektronischen Patient-reported Outcome Assessments in der Onkologie“ wurde von Univ. Prof. DI Dr. Bernhard Holzner, Klinischer- und Gesundheitspsychologe demonstriert. Ein Ansatzpunkt von ihm war die Evaluation von onkologischen Behandlungskonzepten 1) Wie lange leben die Patient:innen? 2) Wieviel kostet es? und 3) Wie geht es den Patient:innen? Wenn ein gut validierter Fragebogen als Grundlage für die Evaluation vorliegt, darf und muss man davon ausgehen, dass die gestellten Fragen mehrmals geprüft und getestet wurden. Spannender Outcome dieses Vortrages war das Thema Onkologie aus dieser Perspektive erläutert zu bekommen.

Eine tolle Preisverleihung für alle Teilnehmer:innen der Veranstaltung und Schlussworte durch Fr. Präsidentin Mag.a Gabriele Jaksch rundeten den interessanten 5. Tiroler MTD-Tag perfekt ab. Mit dem Thema Onkologie, wurde eine sehr wichtige und richtige  Themenwahl getroffen, um interprofessionelle Arbeit aufzuzeigen. Alle Teilnehmer:innen betonten, dass der enorme Wissensaustausch und das Netzwerken die größte Bereicherung dieses Tages waren. Danke dem großartigen Tiroler MTD-Organisationsteam – die Freude auf eine nächste MTD-Veranstaltung ist groß!

→ Hier geht's zur Veranstaltung

Breakpoint